Die kubanischen Gesundheitsbehörden erteilen dem Vakzin Abdala die Notfallzulassung. In klinischen Tests hatten die kubanischen Impfstoffkandidaten zuvor eine hohe Wirksamkeit gezeigt.
Als erster in Lateinamerika produzierter Corona-Impfstoff hat das kubanische Vakzin Abdala eine Notfallgenehmigung erhalten. Am Freitag (9. Juli) gab die kubanische Zulassungsbehörde Centro para el Control Estatal de Medicamentos, Equipos y Dispositivos Médicos (CECMED) grünes Licht.
Ende Juni waren 92,28 Prozent Effektivität von drei verabreichten Dosen von Abdala vermeldet worden. Drei Dosen des Impfstoffkandidaten Soberana 02 erreichen eine Wirksamkeit von 91,2 Prozent. Damit kommen beide kubanische Vakzine auf ähnliche Werte wie die Impfstoffe von Moderna oder Biontech-Pfizer. Präsident Miguel Díaz-Canel beglückwünschte das Finaly-Institut und andere an der Impfstoffentwicklung beteiligte Institutionen: Ein Ergebnis, „das zeigt, wie hart unsere Wissenschaftler gearbeitet haben.“
Insgesamt produziert Kuba fünf eigene Corona-Impfstoffe. Soberana 02, die Souveräne, und Abdala, nach einem Stück des Nationaldichters José Martí benannt, sind am weitesten in der Entwicklung. Wie alle kubanischen Impfstoffe bestehen sie aus rekombinantem Protein, sind also sogenannte Totimpfstoffe. Das US-amerikanische Unternehmen Novavax verwendet für seinen Impfstoff dasselbe Prinzip. Auf Kuba werden jeweils zwei Dosen Soberana 02 oder Abdala und eine dritte Dosis des Boosters Soberana Plus verabreicht. Dieser soll die Immunantwort auf SaRS-CoV-2 zusätzlich stärken. Genesene einer Corona-Infektion erhalten nur die Dosis Soberana Plus.
Mit der ermittelten Effektivität erfüllen beide kubanische Impfstoffkandidaten die Norm der Weltgesundheitsorganisation (WHO), um als Vakzine zugelassen zu werden. Kuba hofft, seine Vakzine nun auch international vermarkten zu können. Mehrere Länder von Argentinien über Jamaika bis hin zu Mexiko, Vietnam und Venezuela haben ihr Interesse am Kauf von Kubas Impfstoffen bekundet. Der Iran begann Anfang dieses Jahres mit der Produktion von Soberana 02 als Teil klinischer Studien. Auch dort stehe eine Notfallzulassung kurz bevor, hieß es.
Bereits seit einigen Wochen impft Kuba im Rahmen einer Bevölkerungsintervention Risikogruppen und in Hochinzidenzgebieten, darunter ganz Havanna. Damit soll die Ausbreitung des Virus verlangsamt werden. Die Corona-Infektionszahlen im Land sind zuletzt explodiert. Anfang Juli wurden im Schnitt täglich mehr als 3.500 Neuinfektionen verzeichnet, zuletzt sogar über 6.500. Die sogenannte Delta-Variante, die zuerst in Indien aufgetreten ist, befindet sich auch auf der Insel auf dem Vormarsch. Zwischen März und Dezember 2020 waren es noch durchschnittlich 1.200 Neuinfektionen – im Monat. Trotz bislang ausstehender Notfallzulassung wurde daher die Impfkampagne forciert. Mehr als sieben Millionen Dosen wurden bislang bereits verabreicht; 1,6 Millionen Kubaner sind bereits vollständig geimpft, vermeldete das kubanische Gesundheitsministerium. Die kubanischen Behörden gehen davon aus, im Laufe des Jahres die gesamte Bevölkerung der Insel impfen zu können.